Tag der Freien Schulen in Mecklenburg-Vorpommern
Unter dem Motto „Politik macht Schule – Eine Stunde für die Demokratie“ öffneten die in der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen MV (AGFS) organisierten Schulen am 17. April 2026 ihre Türen für Politikerinnen und Politiker. Ziel war es, Räume für Information, Austausch und politisches Lernen zu schaffen.
Die AGFS hatte den diesjährigen Tag der Freien Schulen bewusst als Tag für die Demokratie gestaltet. Lehrkräfte und politische Gäste entwickelten gemeinsam Unterrichtsstunden, moderierte Gespräche oder Diskussionsformate. Auch rund zehn Schulen der Schulstiftung der Nordkirche beteiligten sich und luden Vertreterinnen und Vertreter der Politik zum Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern ein.
Wie lebendig und ernsthaft dieser Austausch geführt wurde, zeigte sich beispielhaft an der JONA Schule in Stralsund. Dort fanden gleich zwei Gesprächsrunden statt. Am Vormittag mit den Klassenstufen 7 und 8, später mit den Jahrgängen 9, 10 und 12. Schon früh wurde deutlich: Das Interesse war groß. Die Aula füllte sich schnell und beim zweiten Termin mussten sogar zusätzliche Plätze auf der Galerie geschaffen werden.
Den Fragen der Schülerinnen und Schüler stellten sich Beatrix Hegenkötter (SPD, Landtagsabgeordnete), Torsten Grundke (CDU, Mitglied der Stralsunder Bürgerschaft und des Kreistages), Volker Zeitz (Mitarbeiter im Landtagsbüro von Ann Christin von Allwörden, CDU, die kurzfristig verhindert war) sowie Dennis Barth (Fraktionsgeschäftsführer der SPD-Fraktion der Stralsunder Bürgerschaft).
In der ersten Runde nahmen rund 80 Schülerinnen und Schüler Platz. Die Moderation lag in den Händen von Till, Noah und Gwendolin aus der Klasse 7b die ihre Aufgabe souverän und gut vorbereitet meisterten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es schnell um den politischen Alltag. Staunen ging durch den Raum, als Torsten Grundke von seinem ehrenamtlichen Engagement berichtete und davon, dass sein Arbeitstag häufig um fünf Uhr morgens beginne. Beatrix Hegenkötter schilderte offen die Herausforderungen, Familie und Landtagsmandat miteinander zu vereinbaren. Dies sei besonders aufgrund der vielen Termine und der Entfernung zwischen Stralsund und dem Landtag in Schwerin schwierig.
Besonders aufmerksam wurde es, als Till die Gäste fragte, wie sie zur Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei der Landtagswahl stehen. Die Zustimmung war parteiübergreifend, wenn auch mit ehrlichen Einordnungen. Volker Zeitz räumte ein, dass sich seine Partei mit diesem Schritt zunächst schwergetan habe. Dennis Barth brachte seine Haltung auf den Punkt: „Ich finde es super.“
Anschließend öffnete sich die Runde für Fragen aus dem Publikum – und es wurden viele gestellt. Es ging um hohe Spritpreise, die Kosten für den Führerschein, Gehälter in der Bundespolitik und nicht zuletzt um steigende Dönerpreise. Alle Fragen wurden ernst genommen und ausführlich beantwortet. Die Zeit reichte dennoch nicht für alles. Zurück blieb eine neugierige, kritische Schülerschaft und der Eindruck, dass dieses Gespräch in den kommenden Klassenleiterstunden weiterwirken würde.
Nach einer kurzen Pause folgte die zweite Gesprächsrunde. Wieder füllte sich die Aula rasch. Caroline und Klara aus der 12. Klasse übernahmen die Moderation. Gleich zu Beginn stellten sie eine Frage, die viele Jugendliche im Land bewegt: „Wie kann Mecklenburg-Vorpommern für junge Menschen attraktiver werden?“
Nachdenklich antwortete Beatrix Hegenkötter. Es sei durchaus wertvoll, als junger Menschen erst einmal wegzugehen. „Umso schöner ist es, zurückzukommen“, sagte sie – und betonte, wie wichtig es sei, Perspektiven für Rückkehrerinnen und Rückkehrer zu schaffen. Torsten Grundke sprach selbstbewusst über die Stärken des Landes: die Qualität der Hochschulen, die Ausbildungsbetriebe und das Engagement vor Ort. Er berichtete von aktuellen Überlegungen in der Bürgerschaft, Begegnungsstätten und Jugendclubs zu schaffen oder weiterzuentwickeln.
Auf die Frage nach der Motivation für Erstwähler:innen folgten klare, kurze Antworten: „Nutzt eure Stimme“, „Mitbestimmung“ und „Demokratie will gestaltet werden“. Auch hier verging die Zeit schnell. Viele hätten gern noch weiter gefragt und zugehört.
Am Ende stand das Fazit eines gelungenen Formats. Die Begegnung war informativ und respektvoll. Politik wurde nicht beworben, sondern erklärt. Für viele Schülerinnen und Schüler wurden politische Akteurinnen und Akteure greifbarer und menschlicher – und sie erlebten Demokratie als etwas erfahrbar, das vom Mitreden lebt.
Der Tag der Freien Schulen war in Stralsund ein sichtbarer Erfolg. Ein besonderer Dank gilt den Lehrkräften, die diesen Tag mit Engagement vorbereitet und begleitet haben – und damit einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Bildung geleistet haben.
